Vom Schmerz, loszulassen
Ich schreibe gerne über Dortland und seine Bewohner. Manchen nähere ich mich über das Schreiben auch überhaupt erst an. Doch schafft es nicht jeder Text ins Buch. Selbst wenn er ursprünglich genau dafür geschrieben wurde. Denn manche Texte bleiben nach dem Schreiben genau das: Annäherungen an einen Charakter, die Welt oder eine Szene.
Dennoch ist kein Text wirklich umsonst – und ganz sicher nicht nutzlos. Aber nicht jeder Text sollte das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Das ist schmerzhaft. Für den Text sicherlich auch, aber vor allem für die Autorin, die sich Satz für Satz, Absatz um Absatz an ihm abgekämpft hat. Die um Worte gerungen und über Formulierungen geschwitzt hat. Soll dieses hart erkämpfte Stück Arbeit nun einfach so gelöscht werden?
Für solchen Trennungsschmerz gibt es unter Schreibenden einen sehr passenden Ausdruck: Kill your Darlings. Denn diesen Schmerz, Textlieblinge aus dem Schreibprojekt zu löschen, empfinden Autorinnen auch dann, wenn die Textgeburt eine leichte war. Wenn Wort um Wort nur so aus der Feder, dem Stift oder der Tastatur floss. Dieses erhabene Gefühl, wenn es einfach nur fließt … und dann: delete?
Ja. Wenn es dem gesamten Text hilft. Ja, dann muss es sein. In einem frühen Romanprojekt habe ich diese Lektion schmerzlich gelernt. Ein komplettes Kapitel fiel damals dem Löschbutton zum Opfer. Und einmal auch zwei Nebenfiguren, denen ich bereits viel Fleisch an die Knochen geschrieben hatte. Doch warum mussten sie weg? Sie waren doch so schön, lieb und nett und vielleicht sogar interessant.
Stimmt. Aber sie gehörten nicht wirklich zu der Geschichte, die erzählt werden wollte. Sie blieben vor sich hin plätschernde Szenen, die lieb und nett … und nicht mehr waren.
Habe ich damals die Texte wirklich einfach so löschen und dem digitalen Nirwana anheimgeben können? Nein. Ich gebe es zu. Ich kann schlecht loslassen. Auch bei Texten.
Mir hat ein Tipp geholfen, den Schmerz des Löschens aus dem Projekt zu mildern: die Textschublade. Dorthin verschiebe ich längere Absätze, an denen mein Schreiberherz hängt.
Ich öffne sie nicht oft, diese digitale Textschublade. Doch ab und zu schaue ich durch die Dateien und schwelge in Erinnerung. Wer weiß – vielleicht verschiebe ich dann mal einen dieser Texte in diese Rubrik. Damit er die große, weite Welt sieht.
Und die Welt ihn.
Wenn du Einblicke wie diese magst und in unregelmäßigen Abständen über mein Schreiben informiert werden willst, ist die Elchhörnchen-Post für dich perfekt.