Fantasy mit Tiefe – warum ich eine ruhige Fantasy-Saga schreibe
Mein erstes Buch war fertig – ich hatte mir bewiesen, dass ich einen Roman schreiben kann. Und ich hatte Feuer gefangen: Schreiben, Figuren und Szenen zum Leben erwecken bereitet mir Freude und ich wollte mehr davon. (Über mein erstes Romanprojekt erzähle ich hier)
Ein Rat, den ich bei Schreibseminaren aufgeschnappt und für klug befunden hatte, lautete: Schreibe in dem Genre, das du selbst gerne liest. Das klang logisch und hatte sich mir indirekt ja bestätigt: Mein erster Roman war als Thriller geplant – doch während des Schreibens merkte ich, dass ich mich innerlich längst einem anderen Genre zugewandt hatte. Das wollte ich diesmal von Anfang an besser machen.
Also Fantasy!
Märchen mochte ich schon als Kind, dann las ich die Unendliche Geschichte und Momo, als Jugendliche Krabat und die Fantasy-Bücher von Wolfgang Hohlbein. Damals war das Genre noch nicht so geflutet wie heute und Gleichaltrige werden die Titel leicht erinnern.
Fantasy also – und in dem Winter, in dem ich den Abschluss meines ersten Buches feierte* und über ein neues Projekt sann, sah ich nächtelang die Serie “Once upon a time“. Eine Welt voller Magie und Königreiche … und einer Pfandleihe.
*Hinweis am Rande: danach zu suchen ist aussichtslos. Es liegt in unveröffentlicht meiner Schublade – der Genreknick war nicht so ideal
Die Pfandleihe
Die Pfandleihe erinnerte mich daran, dass ich dieses Setting bereits vor vielen Jahren als einen spannenden Ausgangspunkt für beispielsweise eine Fernsehserie gesehen habe. Welche Geschichten ließen sich in Pfandleihen erleben – die Kunden mit ihren Pfandstücken und den großen und kleinen Nöten, die Menschen in den Laden treiben. Dazu einen Pfandleiher oder eine Pfandleiherin, die auch ihre eigenen Probleme mitbringen.
Fantasy ist auch das: Geschichten, die aus Samenkörnern wachsen. Manche früh gelegt, haben lange geschlummert und dann sind sie plötzlich da und überraschen mit ihren frischen, kraftvollen Trieben. Andere weht plötzlich der Wind vorbei und dann lassen sie einen nicht mehr los. Wie die Frage: Was geschieht, wenn jemand seine vorgesehene Rolle, um die ihn andere beneiden würden, nicht leben will. Oder der Gedanke, dass unter unserer Wirklichkeit vielleicht noch eine andere liegt. Wenn sie ein Traum ist, geformt von dem, was unsere innersten Wünsche und Träume sind?
Und so fing es dann an
Das neue Jahr begann ich damals mit einem Wochenendkurs, bei dem es darum ging, Romanideen abzuklopfen. Ich hatte mich angemeldet, ohne eine konkrete Romanidee im Kopf. Sondern einfach, damit ich wieder ins Tun kam. Denn ich wollte ja weiterschreiben. Und zwar Fantasy. Mit diesen wenigen Festlegungen loggte ich mich ein und verfolgte das Online-Seminar. Machte mir Notizen und ließ alles auf mich wirken. Und dann.. und dann war sie da: die Idee, die sich aus den Spinnweben der vagen Gedanken, frühen Ideen und der Unmenge Inspirationen, die jedes gelesene Buch und jede geschaute Serie so mit sich bringt, herauskristallisierte.
Schaue ich heute auf meine damaligen Notizen und die Grundidee, aus der sich die Dortland-Saga entwickelt hat, so hat sie in einigem schon sehr früh andere Wendungen genommen. Doch das ist nicht wichtig. Wichtig war damals, dass ich einen neuen Anfang hatte. Einen echten Grundstein. Und etwas wurde mir sehr sehr schnell klar damals: dieses Projekt denke ich groß, weil es einfach groß ist. Vielleicht hing es auch mit Motto zusammen, das wir uns selbst geben sollten. Ich hatte gerade erst die Unendliche Geschichte neu gelesen und sie einerseits wieder sehr genossen, andererseits war dem Text (oder doch nur mir?) das Alter anzumerken und ich dachte häufig, wie kindlich doch alles ist. Mein Motto kam daher wie von selbst: „Die Unendliche Geschichte ist erwachsen geworden.“
Fantasy mit Tiefe statt Effekten
Zugleich merkte ich, dass mich an vielen Fantasy-Geschichten weniger die seitenlangen Schwertkämpfe interessierten als das, was zwischen den Figuren geschieht. Für mich liegt die Kraft dieses Genres genau dort. Ich wollte ein Buch schreiben, das seine Leserinnen und Leser ebenso in phantastische Welten abtauchen lässt – aber eben erwachsener und nicht ganz so kindlich. Doch dabei ebenso poetisch und literarisch wie Michael Ende es vermochte, ohne die bluttriefenden Schlachten, die mittlerweile viele Fantasy-Bücher bestimmen. Auch keine Fantasy, die vor allem auf große Dramatik oder romantische Spannung setzt – es sollte vielmehr ruhige Fantasy mit Seele sein. Fantasy mit Tiefe, die nicht auf Lautstärke angewiesen ist. Mit Geschichten, die nicht nur in andere Welten führen, sondern aus denen man etwas mit in die eigene Welt nimmt.
Nicht nur in diesem Anspruch dachte ich groß. Schnell war mir klar: die Geschichte ist mit der ersten Etappe nicht fertig erzählt. Im Gegenteil. Sobald mein Held seine erste Herausforderung gemeistert hatte, sollte es so richtig losgehen. Die Gesamtgeschichte, die ich im Sinn hatte, reicht für 5 Bände –und mit jedem Stück, das ich weiter an ihr schreibe, wird Dortland ein Stück realer und seine Bewohner lebendiger.
Die Dortland-Saga
Im Sommer 2026 erscheint der erste Band der Dortland-Saga. Sie erzählt von Menschen, die spüren, dass ihre vertraute Welt langsam Risse bekommt. Und darüber, was geschieht, wenn Geschichten plötzlich beginnen, Wirklichkeit zu werden.
Wenn du Einblicke wie diese magst und in unregelmäßigen Abständen über mein Schreiben informiert werden willst, ist die Elchhörnchen-Post für dich perfekt.